Parasiten

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Nahid
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Parasiten

Beitrag von Nahid » Freitag 4. August 2017, 18:05

Nahid hat geschrieben:
Freitag 4. August 2017, 18:05
Hallo Hofmädel,

Ich habe dieses Jahr auch 2 komplette Rachschwalbenbruten verloren - und da war das Wetter noch super. Erst hatte ich den "Schwalbenkrieg" in Verdacht (sind die Brutpaare nicht aus der Verwandtschaft, muß ein Paar weichen), aber als ich die Nester ausräumte, fanden sich reichlich Parasiten. Zwei Schwalbenlausfliegen, die den Eltern bei An- oder Abflug aus dem Gefieder gefallen waren, hatte ich bereits auf dem Boden drunter gefunden. In einem der Nestern fanden sich 12(!!!) Lausfliegenpuppen. Die Bisse der Lausfliegen und ihrer Larven sollen extrem schmerzhaft sein, die Jungen werden unruhig und können sich vor Schmerzen aus dem Nest stürzen. Durch den Blutverlust werden die Küken schwächer, und je schwächer sie betteln, desto weniger Futter bringen die Eltern, bis sie schließlich die Brut aufgeben. Dann gibts noch Milben, und Fliegenmaden. Sobald Fliegen merken, dass auch nur ein Küken kränkelt, legen sie Eier auf die Küken, die sie dann bei lebendigem Leib auffressen. Die Parasiten kommen mit den Eltern. Die Parasitenbelastung der Elterntiere ist inzwischen weitaus höher als noch vor zehn Jahren - fast alle kommen mit Laufliegen, Milben, Federlingen aus dem Süden zurück.

Inzwischen bin ich deshalb recht invasiv geworden, wenn bereits ein Küken aus dem Nest gefallen ist. Ich klettere mit einem Eimer (unten Handtuch rein, ein Handtuch zum Abdecken drüber) hoch, nehme alle Küken aus dem Nest in den Eimer, decke den Eimer sicher ab und bringe ihn runter. Wieder rauf, weiche Nestfüllung raus, in Plastiktüte. 1 EL Kieselgur auf den Nestboden, neue Innenfüllung aus trockenem Moos hinein, noch ein EL Kieselgur drüberstäuben. Küken kurz untersuchen, sichtbare Parasiten entfernen, wieder reinsetzen, fertig. Es gibt ein Kieselgur zur Milbenbekämpfung in Hühnerställen, das auch für Bio-Betriebe zugelassen ist. Es ist giftfrei und wirkt durch Entfettung und Austrocknung der Haut und Zerschmirgeln der Gelenke der Milben, Flöhe, Federlinge etc..

Die Eltern schimpfen natürlich sehr, aber geben deshalb nicht das Nest auf. Sie füttern weiter. Wichtig ist auch, vorher schon ein Ohr dafür zu bekommen, wie laut und intensiv die Jungen normalerweise betteln. Lautes Geschrei ist ein gutes Zeichen. Es spornt die Eltern an, mehr herbeizuschaffen. Wird es schwächer, füttern die Eltern seltener, ist das ein ebenso wichtiges Alarmzeichen wie ein rausgefallenes Junges. Dann muss unverzüglich gehandelt werden, wenn man die Brut retten will.

Und wie Dieter schon sagte, füttern die Eltern schlecht oder ist gar ein Elternteil verschollen, kann das auch eine Ursache sein. Das kann man durch Beobachten feststellen. Lies Dich mal durch die Rauchschwalbenbeiträge im Forum - mir sind da echt die Augen aufgegangen, was man überhaupt alles beobachten kann, und was man über Schwalben alles wissen kann.

Aber wenn Du nicht gut beobachten würdest, hättest Du gar nicht bemerkt, dass da etwas nicht stimmt bei Deinen Schwalben.

PS: Ich bin inzwischen auf die Schwegler-Kunstnester übergegangen. Ja, sie sind häßlich. Aber sicher, die stürzen nie ab. Sie werden bei mir bevorzugt angenommen. Ich kann sie hinhängen, wo der Kot drunter nicht so stört. Man kann sie nach jeder Brut abnehmen, auf Parasiten prüfen, säubern, und wieder genau an den gleichen Platz hängen. Nachteile: Sie sind zu tief, d.h. die Küken können schlecht hinauskoten, und sich im Sterbensfall auch kaum hinausstürzen. Und der Holzbeton ist deutlich weniger saugfähig als der Lehm der "handgetöpferten" Nester. Beide Nachteile kann man aber leicht aus der Welt schaffen, indem man unten 3 cm Katzenstreu (nur das aus reinem Bentonit) einfüllt, unter das man 1 EL Kieselgur mischt. Dann ist die Randhöhe perfekt, die Küken liegen trocken, und parasitenfrei.

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traudich
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Re: Parasiten

Beitrag von traudich » Freitag 4. August 2017, 21:22

Hallo Nahid.
Vielen Dank für den Beitrag über den Parasitenbefall. Ich beobachte seit Jahren die Mauerseglerlausfliege an den Mauerseglern. Du schreibst, dass die Schwalben u. a. mit der Schwalbenlausfliege aus dem Süden kommen. Bist du dir sicher, dass die Lausfliege den Flug überleben?
Bei der Mauerseglerlausfliege geht man davon aus, dass die Larven im Nest überleben und die Lausfliegen nach einigen Wochen absterben.
Das Mittel gegen Milben werde ich in der nächsten Saison auch bei den Mauerseglern ausprobieren.

LG

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Nahid
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Re: Parasiten

Beitrag von Nahid » Samstag 5. August 2017, 11:47

Hallo Siegrid,
ich muß gestehen, dass ich nirgends Untersuchungen dazu gefunden habe, wie genau sich die Rauchschwalben mit Schwalbenlausfliegen "infizieren". Hab jetzt nochmal intensiv gesucht, aber nichts gefunden. Habs nur aus meiner Beobachtung geschlossen, dass "meine" Rauchschwalben hier nach ihrer Ankunft im Frühjahr 2017 ihr altes Vorjahresnest nicht angeflogen, sondern beide Paare ein kaufneues Nest besiedelt haben. Und dennoch hatten sie Lausfliegen. Es kommt kein anderer Vogel in die Tenne. Also bleibt nur, dass sie aus dem Gefieder der Schwalben auf den Tennenboden gefallen sind, oder, dass sie aus dem Vorjahresnest stammen und auf der Suche nach einem neuen Wirt mehrere Meter geflogen/gekrabbelt sind.

Ich weiß nicht, ob die Befallsstrategie bei Mauersegler- und Schwalbenlausfliegen identisch ist. Für Mauersegler, die absolut treu jedes Jahr wieder in ihr Nest zurückkehren, ist die Strategie ideal, als Puppe im Nest zu überwintern und einfach auf die Wirte warten - die kommen zuverlässig. Und wenn nicht, wandert man halt zum Nachbarnest. Mehl- und Rauchschwalben dagegen recyceln ihre Nester zwar auch, aber sehr selten gleich bei der nächsten Brut, meist erst mehrere Bruten später, eben zur Parasitenprophylaxe. Allerdings sind alle Lausfliegen beweglich und können bis zu 20 m weit wandern, um einen neuen Wirt zu finden. Da Schwalben das neue Nest meist in der Nähe des alten bauen, wären die Lausfliegen dann auch bald dort.

Falls Ihr da an Literatur kommt oder Erfahrungen und Beobachtungen habt - mich würds interessieren :)

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Nahid
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Leseempfehlung zu Rauchschwalbenparasiten (und Päppeln)

Beitrag von Nahid » Samstag 5. August 2017, 13:00

Diese Seite kann ich zu Rauchschwalbenparasiten nur wärmstens empfehlen: https://www.wildvogel-rettung.de/parasiten/

Die Autorin Kirstin Zoller ist eine intelligente und erfahrene Vogelpäpplerin, aber ihr Herz gehört den Rauchschwalben. Mit eigenen Rauchschwalbenküken in Not fing ihr Werdegang an https://www.wildvogel-rettung.de/vorges ... anksagung/, dann kamen immer mehr Päppelfälle hinzu. Ihre Seite ist für Schwalbenmenschen unglaublich informativ und man braucht Stunden, ja Tage, um sich durchzuarbeiten - ist es aber wert. Und wer Schwalben aufpäppeln muß, wird keine bessere Seite finden.

Kirstin war es, die mich wegen der ins Schwalbennest eingebauten Pferdehaare gewarnt hat - ohne Kirstins Hilfe hätte ich es weder als Gefahr erkannt noch gewußt, wie ich Abhilfe schaffen kann https://www.wildvogel-rettung.de/kueken ... ie-eltern/

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Tanny
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Re: Parasiten

Beitrag von Tanny » Sonntag 13. August 2017, 17:25

Hallo Traudich,
zumindest bei Schwalben ist es so, dass sie die Lausfliegen selbst mitbringen.
Sie leben als Untermieter auf den adulten Schwalben und wandern beim Nestbau in das Nest ab, um dort ihre Larven abzulegen.
Gleiches gilt für z.B. Milben.
Je nachdem, wesssen Entwicklung schneller geht (Parasit oder Küken) gewinnt der eine oder der andere die Oberhand.
Dieses jahr sind die Schwalben extrem betroffen mit Lausfliegen, da sie mangels Jagderfolg wegen der Witterung ihre Küken zu langsam hoch bekommen.
Ich habe zur Zeit täglich mehrere Beratungen mit aus dem Nest gesprungenen Küken, die allesamt Lausfliegen haben.
Man kann das verhindern, wenn man die Nester gut beobachtet und bei ersten Anzeichen von Problemen bereits eine Brutrettung vornimmt.
LG
Tanny

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Re: Parasiten

Beitrag von traudich » Montag 14. August 2017, 15:11

Hallo Tanny.
Da man davon ausgeht dass Lausfliegen 6 - 8 Wochen leben, müßten sie sich ja auf den Wirtstieren -Mauersegler Schwalben- fortpflanzen. Die Larven also im Gefieder ablegen, damit die nächsten Generation am Vogel weiterlebt. Da sie ja ständig ziehen und keine festen Schlafplätze haben, ist nur so die Weiterverbreitung möglich. Bei Mauerseglern ist das ja noch extremer, da sie nur in der Luft leben. Die Larve der Mauerseglerlausfliege ist dafür definitiv nicht geeignet
Bei Schafen wird die Larve der Lausfliege z.B. in der Wolle abgelegt und bei Pferden im Streu.
Wie denkst du, funktionuer das bei Schwalben :?:

LG

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Tanny
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Re: Parasiten

Beitrag von Tanny » Montag 14. August 2017, 18:23

Hallo traudich,
mit Mauerseglerlausfliegen kenne ich mich nicht aus, habe aber mal gelesen, dass sie sich im Vorjahr in den Nestern verpuppen und im Folgejahr schlüpfen und auf den Wirt wandern.
Ansonsten habe ich mich bisher lediglich mit Schwalbenlausfliegen befasst.

In dem Zusammenhang eine Gegenfrage:
wie erklärt sich der Befall eines neuen Kustnestes in einem Neubau, wenn die Larven nur im Vorjahr eingetragen worden sein können?

m.W: sind lausfliegen sehr variabel - sie passen sich exakt dem Leben ihres Wirtes an und verhalten sich teilweise entsprechend unterschiedlich.
Außerdem sind m.W. die Entwicklungszyklen wirtsspezifisch unterschiedlich.
Bei der Schwalbenlausfliege ist es m.W: so, dass sie zwar aufgrund ihrer verkümmerten Flügel nicht mehr fliegen kann, aber sie kann gesteuert schweben und somit auch auf einer Schwalbe landen, die irgendwo rastet, Nistmaterial sammelt etc.
Sie leben auf den adulten Schwalben und verpaaren sich da auch.
Ich vermute aufgrund meiner Beobachtungen, dass die Verpuppungsphase bei Schwalbenlausfliegen nicht die Dauer einer Mauerseglerlausfliege hat.
Denn anders, als Mauersegler machen Schwalben eine zweite Brut - meist in dann innerhalb von wenigen Tagen neu gebauten Nestern. Hier dürfte es dann keine Probleme mit Lausfliegen geben - aber gerade in der 2. Brut ist das Problem noch deutlich größer, als bei der 1. Brut.
Sowohl in neuen nestern, als auch in alten, wiederbelegten finde ich alle drei Entwicklungsstadien der Lausfliege.

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Re: Parasiten

Beitrag von traudich » Dienstag 15. August 2017, 11:10

Hallo Tanny.
Das adulte Schwalbenpaar hat sich, nachdem die Lausfliegen geschlüpft sind durch Kontakt mit Artgenossen, die Krabbeltiere "eingefangen" und so mit ins eigene Nest getragen.
Bei Mauerseglern wird die Lausfliege hauptsächslich durch die Sucher übertragen. Sie haben wechselnden Kontakt zu Brutplätzen und verbreiten so die Lausfliege.
Die Verbreitung bei Schwalben ist da anders; sie verbreiten sich z. B. an gemeinsamen Ruheplätze.

Als wir das 1ste Mauerseglerpaar hatten und nach der Saison so viele Larven fanden, haben wir uns auch gefragt: wo kommen die alle her (Kasten neu - am Haus noch nie Mauersegler). Da sie noch als Sucher unterwegs waren, haben sie sich vorab die "Krabbelteier" im Naturnest geholt. Die haben dann fleißig die Larven abgelegt.

Das spannende ist für mich an der Verbreitung der Lausfliege , dass man ein "Bewegungsmuster" der Mauersegler dadurch erahnen kann.

LG

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Tanny
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Re: Parasiten

Beitrag von Tanny » Dienstag 15. August 2017, 13:54

Hallo Traudich,
:) dann sind wir uns ja einig :)

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Bibo76
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Parasiten

Beitrag von Bibo76 » Mittwoch 25. Juli 2018, 11:51

Bibo76 hat geschrieben:
Dienstag 24. Juli 2018, 00:39
Sieht super aus bei dir, Dieter... :thumbup:

Hier hat auch die zweite Brut begonnen. Vier Eier liegen im Nest und werden fleißig bebrütet.
Habe mir eigens für das ungestörte Beobachten eine Kamera zugelegt - super Idee übrigens!
Was mir jetzt grade aufgefallen ist: das Weibchen putzt sich unablässig, wuselt die ganze Zeit im Nest rum und schläft deswegen nicht richtig - das geht die ganze Zeit schon so. Meine dunkle Vorahnung ist, dass dies wohl an den Parasiten liegt. Das Männchen hingegen hat in einiger Entfernung seine Ruhe und schläft den Schlaf der Gerechten.

Sie brüten ja nun im Natur-Nest vom letzten Jahr. Könnte es evtl. auch damit zusammenhängen? Bin grad total frustriert und überlege, was ich machen könnte. Parasiten-Bekämpfung mittels Kieselgur oder anderer Hilfsmittel?
Was meint ihr dazu? Hoffe auf eure Ratschläge und Erfahrungswerte ;)
Das vorher genutzte Nest habe ich vor ein paar Tagen bereits ausgiebig mit Kieselgur behandelt, falls da noch was kreucht und fleucht.

Danke schonmal an dieser Stelle :)

Schwitzige Grüße
Pamela


So, kleines Update...
Nachdem ich nun Kieselgur in das aktuelle Nest eingestäubt habe, habe ich mich auf die Suche nach weiteren Ursachen für das hysterische Putzen gemacht.

Ich fand auf dem Boden unter dem vorherigen (Kunst)Nest einen Haufen kleiner Krabbeltiere. Ich nahm also meinen Fotoapparat und machte eine Nahaufnahme - eindeutig: Vogelmilben! Habe dem Haufen ganz spontan eine feierliche Feuerbestattung gegönnt. Ich werde wohl das Nest nun herunternehmen und reinigen, nicht, dass die Milben noch zusätzlich ins andere Nest wandern. Außerdem werde ich dann das komplette Gebälk mit Kieselgur einstäuben.

Nun sind nicht nur die Lausfliegen ein Problem, sondern auch noch die Milben. :evil:
Ich hoffe, dass alles gutgeht und es nicht zum Supergau kommt... :S

LG
Pamela

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