Aufzucht Mauersegler

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Vino
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Aufzucht Mauersegler

Beitrag von Vino » Mittwoch 10. Juli 2019, 09:24

Hallo ihr Lieben,

ich bin seit 2 Wochen im Besitz eines kleinen Mauerseglers, der damals scheinbar aus seinem "Nest" gefallen war und dehydriert auf der Straße lag. Zum damaligen Zeitpunkt hatte er hauptsächlich Spulen und die Augen öffneten sich erst 2 Tage später. Da ich nicht wusste, was ich für ein Exemplar mit heim genommen hatte, habe ich am ersten Tag mit einer Mischung aus Quark+Eigelb gefüttert.

Die folgenden Tage habe ich weitestgehend auf Heimchen umgestellt, wobei er noch immer nach der Mischung giert. Die erste Wiegung ergab 38g; der Höchststand vor 2 Tagen lag bei 52g. Er hat sich optisch sehr gut entwickelt. Das Federkleid ist fast vollständig. Die Schwanzspitze ragt ca 1cm über den Schwingen. Seit dem Fundtag sucht er permanent meine Nähe und kuschelt scheinbar auch mit mir. Ein Besuch beim Tierarzt ergab keine Auffälligkeiten und vor allem keine Brüche.

Seit ca. 5 Tagen macht er seine ersten Kletter- und Flugversuche, sodass ich nun seine Schlafbox vergrößern musste. Seitdem nimmt er an Gewicht ab (derzeit 48g) und ist nachtaktiv geworden. Tagsüber hängt er die ganze Zeit an mir und döst. Ist das das Zeichen, dass er langsam für sein großes Abenteuer bereit ist?

Was mir Sorgen bereitet, sind die Geräusche, die er von sich gibt. Seit dem Fundtag hat er ein Knacken/Rascheln, wenn er atmet (?) Oder ist das sein Herzschlag? Wenn er entspannt ist, ist das Geräusch weg.
Des Weiteren fiepst er nun seit ca. 1 Woche...so gut wie dauerhaft (außer im Schlaf oder wenn er neugierig ist) Er bekommt genug Futter und auch Wärme. Sein Kot ist wie aus dem Bilderbuch. Kann es sein, dass er auch hier seinen Ruf übt?

Hat Jemand Erfahrungen hinsichtlich Unterstützung beim Fliegen leisten oder schaffen die das selbst?

Ich danke schon einmal für eure Rückmeldungen 🙂

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Markus
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Re: Aufzucht Mauersegler

Beitrag von Markus » Mittwoch 10. Juli 2019, 11:54

Hallo Vino,

Willkommen im Forum :thumbup:
Vino hat geschrieben:
Mittwoch 10. Juli 2019, 09:24
habe ich am ersten Tag mit einer Mischung aus Quark+Eigelb gefüttert.
Du kannst von Glück sagen dass er das (bis jetzt) überlebt hat und hoffen dass der Arme keinen bleibenden Schäden von dieser Fehlernährung hat.

Du Solltest Dich unbedingt Hier https://www.mauersegler.com/found/ https://www.mauersegler.com/malnutrition/
informieren.

Zu den auffälligen Symptomen des Seglers und weiteren Infos aber am besten die Mauerseglerklinik kontaktieren Nr. 069-35351504, die sind dort sehr freundlich und hilfsbereit in Sachen Segler.

Viel Erfolg bei der doch sehr anspruchsvollen Aufgabe einen Mauersegler aufzupäppeln.

LG
Markus

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traudich
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Re: Aufzucht Mauersegler

Beitrag von traudich » Mittwoch 10. Juli 2019, 13:30

Hallo Vino,
würde mir bzgl. Auswilderung auf alle Fälle Hilfe holen. Vielleicht gibt es, neben den von Markus angegebenen Stellen, eine Wildtierstation in deiner Nähe die helfen kann. Wäre schade wenn, nach so viel Mühe deinerseits, zum Schluß etwas "schief läuft". Wie alt schätzt du den Mauersegler / wann ist voraussichtlich "Abflug"? Vielleicht kann dich dieses Ereignis dazu inspirieren, Mauersegler bei dir anzusiedeln :thumbup:

LG

Vino
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Re: Aufzucht Mauersegler

Beitrag von Vino » Mittwoch 10. Juli 2019, 14:46

@ Markus
Vielen Dank für die Infos 🙂
In der Tat ist die Fehlernährung keine Glanzleistung, aber man ist als Laie leider überfordert und greift nach Informationen, die man auf die Schnelle bekommen kann. Wir hatten an dem Abend beim Tiernotruf durchgerufen und deren Tipp war "liegen lassen und etwas Wasser daneben stellen". Das hatte ich bei den Temperaturen und den Begebenheiten (Stadt) nicht über's Herz bringen können. Ich hoffe, dass der Knirps mir das verzeihen kann. Bei der Klinik werde ich mich melden. Danke für den Tipp. Wir haben laut der Tierärztin keine Stellen für Wildvögel; lediglich unseren Zoo. aber ggf. hat die Klinik noch andere Ansätze

@traudich
Wir schätzen ihn aktuell auf den 25.Tag (+/-). Wobei ich bei dem Gewicht laut der Tabelle auf Mauersegler.com nun doch schwanke...aber lieber zu viel Gramm, als zu wenig. Ich werde die Tage mit ihm mal auf's Feld gehen und die Natur bestaunen. Auf dem Balkon hatte er bislang immer sehr die Umgebung gescannt. Ich hoffe ja, dass in der nächsten Woche das Wetter angenehmer ist, um einen "Abflug" zu testen. Ich hoffe, das klappt. Leider lebe ich in der Stadt und eine Ansiedlung gestaltet sich da etwas schwierig. Aber ggf. kann ich meine Eltern begeistern, die ideale Bedingungen bei sich hätten. Aber ich behalte es im Hinterkopf, weil das echt spannende Tiere sind.
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Fundtag
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Kletterübungen
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Aktueller Stand
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Markus
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Re: Aufzucht Mauersegler

Beitrag von Markus » Mittwoch 10. Juli 2019, 16:04

Hallo Vino,
zunächst mal finde ich es große Klasse dass Du Dich so um den Segler bemühst. :thumbup:

Es ist zwar gut gemeint wenn Du den Segler in die Natur ausführen möchtest, aber wie ich finde wohl eher störend als hilfreich.
Du Solltest ihn, wie auch die Segler in ihrem natürlichen Nistplatz möglichst in der Box lassen, damit er ungestört seine Flugmuskulatur trainieren kann.
Flugübungen selbst müssen bei einem Jungvogel nicht gemacht werden.
Mit etwas Glück und Geduld kannst Du ihn dabei beobachten wie er Liegestütze oder Flatterübungen macht.
Vino hat geschrieben:
Mittwoch 10. Juli 2019, 14:46
um einen "Abflug" zu testen. Ich hoffe, das klappt. 20190626_194347.jpg
bezügl. Abflug testen noch einige wichtige Regeln.

Die Federspulen (Foto) dürfen nicht mehr vorhanden sein, ansonsten ist der Segler noch nicht voll flugfähig.

Keines falls den Mauersegler in die Luft werfen, er muss von selbst aus der hochgehaltenen flachen Hand starten.

Bei dem Start die Umgebung auf Räuber wie Sperber oder Turmfalke achten.

Bin schon sehr auf Deine weiteren Berichte gespannt.


federspulen MS.JPG
federspulen MS.JPG (53.95 KiB) 142 mal betrachtet


LG
Markus

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traudich
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Re: Aufzucht Mauersegler

Beitrag von traudich » Mittwoch 10. Juli 2019, 19:31

Schließe mich mal wieder Markus an. In der natürlichen Umgebung sitzt der Mauersegler, bis zu seinem Ausflug, im Kasten und auch bei Aufzuchten verbleiben sie in Boxen. Nicht zu viel Körperkontakt und keine Ausflüge. Der Segler wird, wie Markus schon schreibt, seine Muskeln stärken und irgendwann abfliegen. Vielleicht hast du an deiner Wohnung oder Haus die Möglichkeit ihn, in einem hoch angebrachten, Kasten(Fensterbank) zu setzen von wo aus er eigenständig starten kann. Wenn geht, auf alle Fälle die Mauerseglerklinik kontaktieren.
In diesem Jahr haben die Segler später angefangen zu brüten. Unser 1ster Nachwuchs wird vermutlich um den 18.-22.Juli starten und das letzten paar brütet noch.
LG
Vino hat geschrieben:
Mittwoch 10. Juli 2019, 14:46
Leider lebe ich in der Stadt und eine Ansiedlung gestaltet sich da etwas schwierig.
Mauersegler lieben Städte :thumbup:
LG

Vino
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Re: Aufzucht Mauersegler

Beitrag von Vino » Donnerstag 11. Juli 2019, 07:28

Guten Morgen 🙂

Die Federspulen sind hauptsächlich noch im Nackenbereich; 2-3 noch an den Schwingen. Er ist aber fleißig dabei, die abzutragen.
Gestern hat er das erste Mal selbständig das Futter aufgenommen (ohne Pinzette). Käfer und andere Flugkörper fixiert er auch schon 👍🏻 Die Box hab ich noch mit ein paar kleinen Holzkörben ausgestattet. Das kleine Fitnesstudio kommt bei ihm sehr gut an.
Ist toll, zu beobachten, wie aus so einem kleinen Elend so ein schönes Tier geworden ist 😍

Die Fensterbank ist eine sehr gute Idee👍🏻Das werde ich nachher mal ausprobieren.

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Markus
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Re: Aufzucht Mauersegler

Beitrag von Markus » Donnerstag 11. Juli 2019, 08:05

Super Vino, :thumbup:

man merkt Du möchtest nur das beste für den Segler. Hab schon langsam ein schlechtes Gewissen wenn ich immer im klugschei...Modus daherkommen muss.
Holzkörbe in der Box ? Wenn ich so meine Segler in den Kameraüberwachten Nestern beobachte geht es da, bes. bei den Flatterübungen ganz schön ab in der Kiste. Will sagen, je mehr Platz im Nest um so besser für den Jungvogel und seine empfindlichen Flügel.

Aber wie gesagt, meine Kritiken bitte nicht falsch verstehen, denn auch mir liegen unsere Mauersegler sehr am Herzen.

Vino hat geschrieben:
Mittwoch 10. Juli 2019, 14:46
Leider lebe ich in der Stadt und eine Ansiedlung gestaltet sich da etwas schwierig. Aber ggf. kann ich meine Eltern begeistern, die ideale Bedingungen bei sich hätten. Aber ich behalte es im Hinterkopf, weil das echt spannende Tiere sind.
Wie Siegrid sagt sind Mauersegler eher Stadtvögel. Unsere Gebäude sind für sie "Nur" Brutfelsen und die gibt es in der Stadt zuhauf.
Leider bieten diese "Brutfelsen" durch moderne Bauweise kaum noch Nischen für Gebäudebrüter wie zb. unsere Segler.

Eine Ansiedlung allgem. ist allerdings fast nur erfolgsversprechend wenn schon Segler in der Nähe sind.
Vielleicht sind sie ja in deiner Nähe, wenn Ja, Kästen ran und locken was das Zeug hält :thumbup:

LG
Markus

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Re: Aufzucht Mauersegler

Beitrag von Vino » Donnerstag 11. Juli 2019, 09:59

Guten Morgen Markus,

bitte immer her mit dem Input und auch mit Kritik. Was sich der Mensch gut denkt, muss für den Vogel nicht gut sein. Meine Erfahrungen liegen lediglich bei ausgewachsenen Wellensittichen, aber diese Kenntnisse hab ich beim ersten Lesen bzgl. Mauersegler über Bord geworfen.

Ich hatte den kleinen Kerl am Anfang in einer 20x25 cm Kiste und bin seit den Flugübungen auf eine 40x45cm große Kiste umgestiegen. Die habe ich mit einem Handtuch und Zewa ausgekleidet. Die eine Hälfte besteht noch aus einem kleinen Handtuch, in dem er sich versteckt, sowie aus geknäuelten Zewa-Tüchern. Den Bereich hat er sich zur Toilette gemacht. Überdacht ist der Bereich mit einer dunklen Decke. Die andere Hälfte liegt frei und in der liegt der umgedrehte "Korb". Er hat da eigentlich gut Platz zum Üben, oder sollte ich den wieder entfernen? Er nutzt den ganz gut zum Klettern und Festkrallen.
20190711_095807.jpg
20190711_095807.jpg (74.39 KiB) 100 mal betrachtet
Bezüglich Stadt und Ansiedlung. Ich wohne leider zur Miete und es steht meinerseits dann auch gegen Ende des Jahres der Wegzug an. Wenn ich da jetzt anbaue und gehe, werden sich meine Nachmieter bedanken 😅 Ist es denn eigentlich erlaubt, als Mieter einfach solche Kästen anzubringen? Dürfte ja genehmigungspflichtig seitens des Vermieters sein?

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Markus
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Re: Aufzucht Mauersegler

Beitrag von Markus » Freitag 12. Juli 2019, 09:55

Hallo Vino,

der Korb ist wohl nicht weiter störend, Platz hat er auch genügend. Mit dem richtigen Futter sollte also alles für einen baldigen erfolgreichen Abflug gegeben sein. :thumbup:
Vino hat geschrieben:
Donnerstag 11. Juli 2019, 09:59
Wenn ich da jetzt anbaue und gehe, werden sich meine Nachmieter bedanken 😅 Ist es denn eigentlich erlaubt, als Mieter einfach solche Kästen anzubringen? Dürfte ja genehmigungspflichtig seitens des Vermieters sein?
Ich kenne ich mich zwar rechtlich nicht aus, aber mE. sollte der Vermieter hierzu schon befragt werden. Immerhin ist es ja auch so, dass so ein Kasten im Nachhinein nicht mehr so einfach entfernt werden darf. (Artenschutzgesetz)

Frag ihn doch einfach mal, vielleicht lässt er sich sogar, wie auch wir für diese tollen Tiere begeistern.

Wie schon gesagt, ein großes Problem für unsere Gebäudebrüter sind die immer weniger werdenden Nistmöglichkeiten.

Bin auf Deine weiteren Berichte gespannt.

LG
Markus

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