Aufzucht Mauersegler

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Thömmes
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Re: Aufzucht Mauersegler

Beitrag von Thömmes » Montag 22. Juli 2019, 19:08

Hallo Vino,
Vino hat geschrieben:Die Dame am Telefon hat mir gut zugesprochen, aber dennoch plagt das schlechte Gewissen.
Du hast daran keine Schuld, so ein Findling kommt ja nicht mit langer Vorankündigung. Du hast Dich schlau gemacht und Dein Bestes getan. Vielleicht war der Grundstein für den generalisierten Großgefiederschaden auch schon beim Fund gelegt, wenn er einige Zeit unversorgt war, sogenanntes Hungergefieder. Hier in unserer Stadt würde kein Mensch so einen abgestürzten Segler aufnehmen und pflegen, da laufen tagelang hunderte achtlos vorbei bis er langsam verhungert und verdurstet ist. Also toll, dass Du Dich gekümmert hast und kein schlechtes Gewissen.
Vino hat geschrieben:Er hat nur noch eine Feder, die seit gestern im Federkleid sich in der Achse gedreht hat und einfach nicht abfallen will.
An der verdrehten Feder kannst Du mal vorsichtig zuppeln, wenn sie noch fest sitzt aber nicht weiter ziehen. Die muß ja sowieso neu geschoben werden. Mit den Schwanzfedern wird es wohl ähnlich laufen.

Die gute Nachricht ist, dass die Federn innerhalb von 2 Monaten in gutem Zustand nachwachsen könnten. Für diesen Kraftakt müsste der Segler aber sehr optimal versorgt werden mit Insekten und Ergänzungsmitteln wie Vitamine/Mineralstoffe (Korvimin ZVT, gibts beim Tierarzt), evtl. noch bestimmte Aminosäuren, Vit. B Komplex. Da wird die MS Klinik auch beraten.

Wenn das bei Euch noch geht so viele Insekten wie möglich von draußen holen. Es gibt jetzt viele Grashüpfer/Heuschrecken, die ein super Futter sind. Morgens früh in der Kühle kann man sie per Hand leicht einsammeln, kurz in den Freezer, Sprungbeine ab und auf Zimmertemperatur angewärmt füttern, oder tagsüber/abends mit Kescher fangen und genauso verfahren. Mit Licht kann man abends Nachtfalter anlocken, die auch ein sehr gutes Futter sind. Aus dem Zoohandel kann man sich mittelgroße Wanderheuschrecken besorgen, die nach Entfernung der harten Sprungbeine auch ein super Futter sind. Entscheidend ist die Abwechslung und damit sollte, wenn möglich, heute schon angefangen werden. Der Segler muß sowieso irgendwann in die MS Klinik, da er durch die lange Flugunfähigkeit seine Flugmuskulatur verliert, die haben da einen speziellen Trainingsraum wo er wieder auftrainiert wird.

Ein Todesurteil ist es auf jeden Fall so noch lange nicht. Wenn es ganz toll läuft kann der noch dieses Jahr starten.


Liebe Grüße


Thomas

Vino
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Re: Aufzucht Mauersegler

Beitrag von Vino » Donnerstag 25. Juli 2019, 10:33

Hallo Thomas,

vielen Dank für deine Worte🙂

Die verdrehte Feder hatte mir der Knirps am Montag ausgehändigt, seitdem keine Verluste mehr :thumbup: Die Spulen am Schwanz sind soweit ich das sehen konnte nun auch verschwunden.
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Von der Klinik kam bislang nichts, bin mir aber auch nicht ganz sicher, ob sich die noch ausstehende Meldung im Rahmen bewegt. Ich habe daher vorerst meinen Chef (Arzt) gefragt, was er von dem Präparat hält und er hat es zumindest als unbedenklich eingestuft, sodass ich damit erst mal weiter füttere. Nachschub in Sachen vielfältiges Lebendfutter kommt heute 😊 Kann alles, was so in meine Wohnung einfliegt, verfüttert werden? Ich denke da vorallem an die Florfliege und diese grünen Hüpfer, die in der Nacht an der Wand hängen...

Ansonsten ist er derzeit bei 43g - 45g und noch hochmotiviert, in die Luft zu kommen. Er ist 4h vormittags und 4-6h am Nachmittag allein. Das scheint ihm auszureichen.

Thömmes
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Re: Aufzucht Mauersegler

Beitrag von Thömmes » Donnerstag 25. Juli 2019, 23:21

Hallo Vino,

die Klinik dürfte im Ausnahmezustand sein, es waren die letzten Tage großflächig zw. 35 und 39°C, heute abartige 42°C und morgen noch mal so heiß, da werden tausende junge Mauersegler aus den Nestern springen und ein Teil der überlebenden in der MS Klinik landen, die von den Juni Hitzerekorden noch hoffnungslos überfüllt ist und sicher am Limit arbeitet. Da kann man momentan nichts erwarten und in dieser Ausnahmesituation muß sich jeder selbst helfen.

An Zusatzpräparaten wären eben Korvimin ZVT und Vit. B Komplex sinnvoll. Beides ist normalerweise beim TA auch ein kleinen Mengen für wenige EUR zu bekommen. Wichtig wären halt wirklich Insekten von draußen. Die grünen Hüpfer kannst Du nehmen, Florfliegen bitte nicht, die haben ein Abwehrsekret. Alles an Heuschrecken/Grashüpfern ist super, Nachtfalter, wenn Du einen Imker kennst auch Drohnenbrut, dazu Heimchen, Grillen, Wanderheuschrecken aus dem Handel. Die Abwechslung ist wichtig. Jeden Tag ein paar der Insekten Mit Korvimin ZVT einpudern und und etwas Vit. B Komplex. Insgesamt ca. 15 g frische Insekten braucht ein Segler pro Tag. Dann sollte es eigentlich klappen mit neu schiebenden Schwungfedern. Die Schwanzfedern sehen so ganz OK aus, man wird in der nächsten Zeit sehen, ob sie stabil sind. So sieht er ja munter und gepflegt aus und er sollte noch ein leben am Himmel führen können.

Liebe Grüße

Thomas

Vino
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Re: Aufzucht Mauersegler

Beitrag von Vino » Sonntag 28. Juli 2019, 10:51

Hallo Thomas,

das Vitamin B Komplex habe ich bereits, sollte aber noch einmal von der MS Klinik bestätigt werden, da sich die Dame am Telefon unsicher war, ob mein Präparat auch das richtige sei... Das Korvimin kommt die Tage :thumbup:

Ansonsten bin ich jetzt mit Grillen, Heimchen, Heuschrecken und Grashüpfern ausgestattet; frisch vom Feld und aus der Zucht. Ich bilde mir ein, dass neue Federn kommen (Foto: Innenseite oberer Flügel; die schwarzen) 🤔 Das dürfte doch utopisch sein, oder? Jedenfalls fehlen derzeit 5cm bis zur Schwanzspitze.
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Habt ein schönes Wochenende ☀️

Thömmes
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Re: Aufzucht Mauersegler

Beitrag von Thömmes » Sonntag 28. Juli 2019, 19:49

Hallo Vino,

sobald die Federn ausgefallen sind werden neue geschoben, das sieht schon danach aus. Die gesamte Prozedur dauert 6 Wochen bis 2 Monate. Pro Tag können die Federn bis zu 4 mm schieben, das ist schon ordentlich und fällt deutlich auf.

Wie stabil die Federn nachwachsen hängt von der Nährstoffversorgung ab. Wenn er viele Insekten von draußen kriegt ist man da auf einem guten Weg. Wenn es noch gute Vorkommen der großen grünen Heupferde gibt sind die auch ein super Futter, da ist eins schon eine komplette Mahlzeit nach Entfernung von Beinen und Flügeln, an den jetzt überall blühenden Sommerfliedern finden sich große Schwebfliegen, die kann man auch super nehmen.

Wenn die Federn weiter geschoben sind muß man aufpassen, dass er sich die nicht beim Herumflattern wieder ruiniert, also eine Box mit glatten Wänden nehmen (Karton od. Kunststoff) und am besten unten mit Baumwolltuch od. Küchenpapier auslegen. Wenn die Federn gut werden muß er dann in die MS Klinik zum Training, das kann man zu Hause nicht leisten. Einen muskelatrophierten MS kann man ja nicht starten lassen, der fliegt gut los, ist aber nach kurzer Zeit wieder unten und das wars. Das hat aber erstmal noch Zeit und bis dahin wird die Klinik wieder leerer sein.


Liebe Grüße

Thomas

Vino
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Re: Aufzucht Mauersegler

Beitrag von Vino » Donnerstag 1. August 2019, 11:45

Huhu es gibt wieder ein freudiges Update 😊

Die nachgeschobenen Federn haben mittlerweile die Länge der bestehenden erreicht. Keine weiteren Verluste.
Der Knirps torkelt nicht mehr unbeholfen, sondern hüpft und flattert von A nach B. Seinen ersten Flugversuch hatte er am 28.07. ... erfolglos 😂 Startposition von der Kante des Kartons, kleiner Sprung in die Freiheit, wildes Flattern und fiel 2 cm weiter vornüber in die Decke 🤣 Es war ein Bild für die Götter. Futtertechnisch sind wir jetzt sehr gut aufgestellt. Nun heißt es warten 👍🏻

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Re: Aufzucht Mauersegler

Beitrag von Thömmes » Mittwoch 7. August 2019, 17:10

Hallo Vino,

das hört sich alles soweit gut an. Flugversuche sollte man eher nicht machen, da es das nachwachsende Gefieder wieder beschädigen kann. Wenn man Pech hat flattert der schon von selbst mehr rum als gut für die neuen Schwungfedern ist. Hauptsache ist die weitere konsequente Fütterung mit hochwertigen Insekten in ausreichender Menge.
Ich wünsche weiterhin gute Fortschritte.

Liebe Grüße

Thomas

Vino
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Re: Aufzucht Mauersegler

Beitrag von Vino » Mittwoch 14. August 2019, 18:11

Hi Thomas,

leider kann ich das Kerlchen nicht festbinden, um die Flugversuche zu unterbinden 😅 Er hält sich aber wacker. Wir haben nun Schwanzlänge erreicht und halten die 40g. Bisher keine weiteren Verluste oder Auffälligkeiten 🐥👍🏻Die Spulen sind zum Glück noch vorhanden, so dass er dieses Mal nicht zu kurz geraten dürfte.

Liebe Grüße 🙂☀️
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traudich
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Re: Aufzucht Mauersegler

Beitrag von traudich » Donnerstag 15. August 2019, 21:13

@ vino
lese immer aufmerksam deine Berichte und bin gespannt wo und ob (bei soviel Fürsorge) euer Pflegling die Reise antreten wird ;)
LG

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Re: Aufzucht Mauersegler

Beitrag von Markus » Donnerstag 15. August 2019, 22:06

Vino, Super Engagement, tolle Fotos :thumbup:

Auch ich bin immer gespannt dabei. Sieht gut aus ,klasse Einsatz :thumbup:

LG
Markus

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